Geschichte unseres Engagements

Im Auftrag der Gruppe „Ordensleute gegen Ausgrenzung“ und in Kooperation mit der ökumenisch getragenen „Interkulturellen Woche“ in Berlin und Potsdam (vertreten durch Hanns Thomä, ev. Kirche und Frank-Thomas Nitz und Wolfgang Klose, kath. Kirche) klagt Christian Herwartz, Berlin, gegen die Flughafengesellschaft, um eine Mahnwache vor dem Abschiebegefängnis durchzuführen.

Anfang 1995 sollte die Hedwigskirche in Berlin von Flüchtlingen besetzt werden, deren Abschiebung in das ehemalige Jugoslawien bevorstand. Der Seelsorger in der Abschiebehaft P. Bernd Günter SJ lud Ordensleute ein, für die Vermittlung und die Versorgung der Flüchtlinge in dieser Situation bereit zu sein, die auf ihre bedrängende Situation aufmerksam machen wollten. Diese Gruppe von etwa zehn Männern und Frauen nannte sich „Ordensleute gegen Ausgrenzung“.
Die geplante Besetzung fand nicht statt.
Die Gruppe engagierte sich in den folgenden Jahren an verschiedenen Orten in der Öffentlichkeit für eine angstfreie Begegnung zwischen Flüchtlingen und Einheimischen – so auch auf dem Katholikentag in Mainz 1998. Briefe auch an die Justizministerin Sabine Leuthausen-Schnarrenberg wurden geschrieben.

Zum Tag des Flüchtlings den 29.9.1995 – einen Monat vor Eröffnung der neuen Abschiebehaft in Berlin-Köpenick – luden sie das erste Mal zu einer Mahn- und Gebetswache vor der ehemaligen Frauenhaftanstalt in Berlin-Ost ein (Grünauer Str. 132, 1170 Berlin). Das Gebäude wurde für 26 Millionen DM umgebaut und sollte 250 Gefangene ohne ein kriminelles Delikt bis hzu 18 Monaten aufnehmen. Die Gefangenen mussten unter besonderen Schikanen leiden: Gitter in den Zellen verhinderten die Möglichkeit, das vergitterte Fenster selbständig zu öffnen oder zu schließen. Das Wachpersonal und die medizinische Versorgung waren oft besonders rücksichtslos. Abschreckung sollte die Flüchtlingszahlen senken.

Ab 1996 organisierte die Gruppe regelmäßig (mindestens alle 3 Monate) Mahnwachengottesdienste vor den Toren der Haftanstalt (immer am 3. Oktober – Feiertag zum Fall der Mauer zwischen Ost und West) und besuchten anschließend einige der Inhaftierten. Dadurch bekamen immer neue Menschen einen Blick auf diesen Ort des Unrechts, an dem Menschen ohne kriminelle Tat ihrer Freiheit beraubt wurden. Der Staat mit seinem Machtmonopol war übergriffig statt zu schützen und hat oft auf Verdacht inhaftiert; wurde ein Rechtsanwalt hinzugezogen mussten viele Gefangene sofort entlassen werden.

Scan 17Katholische Kirchenzeitung 31. Mai 1998

Im Gottesdienst vor diesem Gebäude des Unrechts und vor der dazugehörigen Mauer – sie representiert die Abschottungsgrenze um Westeuropa, an der jedes Jahr Tausende sterben – ringen Berliner auch mit ihren langjährigen Erinnerungen an die Mauer quer durch unsere Stadt.
Dieser hinschauende Gottesdienst folgte meist diesem Schema:
Begrüßung – ein Lied, – Wo stehen wir? – eine Erinnerung, ein aktuelles Flüchtlingsthema wird vorgestellt, ein Lied, ein Symbol für diesen Gottesdienst wird in die Mitte gelegt und dazu oft ein biblischer Text ausgelegt. – Stille, die TeilnehmerInnen verteilen sich vor der Haftanstalt und lassen den Ort auf sich wirken, etwa 15 bis 20 Minuten – ein Lied – Erfahrungsaustausch/Fürbitte – Bekanntgabe der Namen von Gefangenen, die einen Besuch wünschten – das abschließende Lied über die Mauer: We shall overcome. (Die Gefangenen beobachteten uns oft von ihrem Gemeinschaftsraum aus und winkten uns zu.)

Gottesdienst oder Kundgebung? Veröffentlicht in der Kirchenzeitung

Einige Bilder und Themen der Mahnwachen und ein Artikel

Scan 51

In Jahr 2000 begleiten einige der „Ordensleute gegen Ausgrenzung“ mit ihren Erfahrungen vor der Haftanstalt die ersten Exerzitien auf der Straße in Berlin-Kreuzberg.

Zusammenarbeit mit der Frauenseelsorge, die ihre Aktionen 2001 uner das Motto stellten: „Steine werden weggerollt – Mauern stürzen ein“.

2002 waren viele Friedensdemonstrationen jeweils mit einem interreligiösen Gebet, dass auch bedi Kriegsbeginn fortgeführt wurde und jeden ersten Sonntag im Monat auf dem Gendarmenmarkt um 15 Uhr stattfindet. Dieses Gebet ist mit der Erfahrung des Gebetes vor der Abschiebehaft entstanden. Die Einladungstexte, einige Fotos.

Ökumenischer Kirchentag – Unsere Mahnwache am 31. Mai 2003 steht im Programm Veranstaltungen „Aus Anlaß des Kirchentages“.
Auch ein Brief an den Innennsenator reichte nicht aus, um diesen Gottesdienst von der Polizei zu genehmigen. Nach einem weiteren Briefwechsel mit der Polizei reichten wir die Klage beim Verwaltungsgericht ein. Der Antrag des Rechtsanwaltes hier.
Gelernt haben wir: Eine Kundgebung anzumelden ist ein Grundrecht, das im Artikel 8 (Versammlungsfreiheit) des Grundgesetzes benannt ist. Ein Gebet anzumelden nicht. Aber wir dürfen auf einer Kundgebung beten.

2008 in Zusammenarbeit mit dem Antirassistisch-Interkulturelles Informationszentrum ARiC Berlin e.V., die alle bekanntgewordenen Todesfälle auf dem Weg nach Europa, während der staatlichen Prüfung und Abschiebung dokumentiert. Sie haben Transparente mit den Namen der Opfer erstellt, die wir bei dieser Mahnwache dabei hatten. Einige sind in dem folgenden Artikel zu sehen: Franziskaner Mission 3/2008 weitere Bilder

um 2010 bemerken wir deutlich, dass in der Haftanstalt immer weniger Menschen auf ihre Abschiebung – wie Sammeltransporte nach Vietnam – warten. Das Abschiebegefägnis wurde leerer und die unbemerkten Abschiebungen im Morgengrauen aus den Wohnheimen usw. nahmen zu.
Wir entschlossen uns zu Mahnwachen am 21.1213 und am 22.2.14 auch vor einem solchen Heim in Berlin-Hellersdorf durchzuführen, das oft von rechten Gruppen angegriffen wurde.

Seit der Karwoche 2011 kommt eine MAZ (Missionarinnen auf Zeit)-Vorbereitungsgruppe nach Berlin, um sich auf ihren Einsatz in aller Welt in Kooperation mit den Steyler Missionsschwestern vorzubereiten. Karfreitag stehen wir gemeinsam vor der Abschiebehaft ab 15 Uhr. Die Gefangenen haben zur selben Zeit einen Gottesdienst in der Haft und wir vor der Mauer. 2013 wurde der Fernsehfilm Grenzenlos über ihre Ausbildungswoche gedreht, auch mit der Mahnwache.

Misereor fordert für die Fastenzeit 2011 einen Kreuzweg bei Christian Herwartz an. Dort wird von der Not von Menschen heute ausgegangen und gefragt, wie Jesus in ihr anwesend ist und weiter mit ihnen leidet. Das Bild der ersten Station „Jesus wird zum Tod verurteilt“ ist folgendes:

2013 wurde mit dem hier beschriebenen Engagement der Ökumenepreis des Ökumenischen Rates von Berlin-Brandenburg an Christian Herwartz vergeben. mehr Film

Scan 50

2012 wurde eine neue Abschiebehaft im Bereich des Flughafens Berlin-Schönefeld eröffnet auf einem Industriepark neben dem Flugfeld. Luftaufnahme
Im August 2012 lud der Innenminister von Brandenburg zur Eröffnung ein. mehr
Dieses Gefängnis ist für Fluggäste von Übersee bestimmt, die keine ausreichenden Papiere vorweisen können. Fluggäste aus Europa werden sofort zurück transportiert.
Der neue Flughafen soll nach willi Brand benannt werden, einer der Menschen, der heute dort in Haft genommen würde.

Am 3.10.12 + 8.12.12 + 3.10.13 + 3.10.14 meldeten wir jeweils eine Mahnwache vor diesem neuen Gefängnis an. Wir wollten hinsehen und andere zum Hinsehen einladen und uns innerlich mit den Inhaftierten im Gebet vereinigen.
Diese Mahnwachen wurden jeweils als Abschußveranstaltungen der Interkulturellen Woche ÖVA) im Programm angekündigt. Handzettel für 2013

Die Mahnwachen mussten vor dem Tor des sonst frei zugänglichen Geländes durchgeführt werden. Bilder Anschließend zogen wir zum Termenal, da wir dort nach einem Gerichtsbeschluss das Flughafengebiet betreten durften.
Eine Gruppe aus Frankfurt hat diese Erlaubnis in einem achtjährigen Verfahren vor dem Bundesgericht erstritten, das uns aber nicht geholfen hat, unser Anliegen vor Gericht zu begründen, weil an dem Gefängnis kein Kaffee ist. Das Urteil

Das Treffen der Arbeiterpriester in Europa hat zur Flüchtlingsfrage folgenden Text veröffentlicht.

Den Weg zur nächsten Mahnwache vor der Abschiebehaft wird hoffentlich durch ein Urtel des Bundesgerichtshof in Karlsruhe frei: siehe Klageweg
oder/und durch Einsicht der politisch Verantwortlichen, siehe Brief an sie.
Am Montag den 4. Mai 15 habe ich um 22 Uhr eine Petition bei we ACT (Die Petitionsplattform von compakt) eingestellt.

Am 3.10.15 fand die erste Mahnwache nach dem Urteil in Schönefeld statt. Die Festgehaltenen fanden einen Weg mit uns im Kreis zu stehen, zu singen und zu reden.
Das war für alle ein befreiendes Erlebnis. Leider fanden nicht alle den Weg dorthin.

Am Sonntag den 3.Oktober 2016 findet dort die nächste Mahnwache wieder um 15 Uhr statt.

Wegbechreibung:
Rechts neben dem Terminal ist ein großer Parkplatz. Dahinter ist die Einfahrt in das Flughafengelände – beschildert Cargo-Zentrum. Dieser Beschilderung folgen, denn an derselben Straße gegenüber vom Cargozentum liegt die Abschiebehaft, die zur Zeit meist als Flüchtlingsheim benutzt wird.
Die Straße dorthin geht lange entlang des Zaunes, hinter dem das Flugfeld zu sehen ist.
Nach der Tankstelle der Beschilderung folgen und nach rechts abbiegen. Die Gebäude der
Polizei und der Festgehaltenen liegt nach ein paar Metern rechterhand.

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